Projekte zur Integration der psychischen Gesundheit und psychosozialer Beratungsdienste in das öffentliche Gesundheitssystem Afghanistans

  • Gefördert durch das Auswärtige Amt und die Europäischen Union

Ipsos Aktivitäten in Afghanistan sollen das öffentliche Gesundheitssystem durch die Ausbildung von Personal im Gesundheitsbereich, psychosozialen Beratern, Ärzten und Krankenschwestern, die in der primären und sekundären Gesundheitsversorgung von ausgewählten Kliniken in allen Provinzen arbeiten, stärken. Diese Aktivitäten stehen im Einklang mit der nationalen Strategie für psychische Gesundheit des afghanischen Ministeriums für öffentliche Gesundheit und zielen darauf ab, die hohe psychischen Belastung der Bevölkerung, die seit 35 Jahren unter Krieg und Unsicherheit leidet, zu reduzieren. Die wichtigsten Ursachen für psychische Gesundheitsprobleme sind traumatische Erfahrungen und psychosoziale Stressoren wie beispielsweise familiäre Konflikte, Migration, Verlust von Nahestehenden, Armut und der hohen Belastungen im täglichen Leben. Darüber hinaus ist das tägliche Leben durch den Übergang von der traditionellen zur modernen Gesellschaft belastet, verursacht durch digitale Globalisierung und den Einfluss der Medien, und hat das Verständnis über die sozialen und kulturellen Identitäten im Land zerstört.

mental health afghanistanDie Folgen der posttraumatischen Belastung wirken sich negativ auf das Familienzusammenspiel und andere soziale Beziehungen aus und führt häufig zu Problemen  wie soziale Isolation, einer erhöhten Wahrscheinlichkeit des Drogenmissbrauchs und auch Konflikte in Familien und Gemeinschaften, die zu innerfamiliiärer und anderen Formen von Gewalt führen. Solche Probleme haben oft einen besonders negativen Einfluss auf die Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen, einschließlich ihrer Bildungs- und Persönlichkeitsrechte und somit zur Verringerung ihrer Chancen, der Armut zu entkommen.
Somatisierung solcher Probleme führt häufig zu einem erhöhten Medikamentenkonsum. Mit psychosozialen Beratungsstellen, die in der primären Gesundheitsversorgung integriert sind, kann das zugrunde liegende Problem der somatischen Symptome behandelt werden und der Patient kann durch einen Ressourcen- und Problemlösungsberatungsansatz, der psychosoziales Wohlbefinden auf einer kulturell sensiblen Weise fördert, unterstützt werden. Diese Beratungsdienste bewirken zahlreiche positive Ergebnisse, wie beispielsweise weniger chronische Patienten, positive Auswirkungen auf Suchtprobleme, eine Abnahme von Gewalt und  Selbstmordversuchen. Die Förderung der Unterstützung friedlicher Lösungen für Familienkonflikte und eine positive Auswirkung auf den Blick der Menschen auf ihr Leben sind weitere Ergebnisse psychosozialer Dienstleistungen.
Die Ausbildung von im öffentlichen afghanischen Gesundheitsdienst arbeitenden psychosozialen Beratern basiert auf einem Handbuch, das von Inge Missmahl, der Gründerin von Ipso, und ihrem Team entwickelt wurde. Es wurde regelmäßig auf der Grundlage praktischer Erfahrungen aktualisiert und dient jetzt als amtlich zugelassene Schulungsressource für das afghanische Gesundheitsministerium. Zusätzlich ist ein Learning Resource Package (LRP) für die Ausbildung von psychosozialen Beratern entwickelt worden und wurde von allen Institutionen im MOPH annerkannt und zugelassen. Danach wurde es in Dari und Paschtu übersetzt, gedruckt und wird nun im ganzen Land eingesetzt.
Bis heute haben 180 psychosoziale Beraterinnen aus allen Provinzen Afghanistans eine einjährige Ausbildung einschließlich Schulung am Arbeitsplatz erhalten und arbeiten als professionnelle psychosoziale Berater in Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan. Sie leisten einen direkten Beitrag zum Ausbau der Kapazitäten der psychischen Gesundheitsdienste, indem sie kulturell angepasste Beratungsdienste für die Bevölkerung in Not anbieten.
Um die Kapazität des Gesundheitspersonals und die Teamarbeit zwischen den neu ausgebildeten Beratern und den Ärzten (MD) zu verbessern, schulten wir insgesamt 180 MDs und Krankenschwestern aus allen Provinzen in bio-psychosozialer Gesundheitsversorgung. Der Ausbildung folgte eine Schulung auf der Basis des Learning Resource Package (LRP)  für MDs und Krankenschwestern, das von Ipso entwickelt und vom Gesundheitsministerium anerkannt wurde.
Da die Gesamtzahl der Spezialisten für psychischen Gesundheit, die in Afghanistan benötigt werden, nicht im Rahmen unserer Aktion ausgebildet werden kann, haben wir uns auf die Ausbildung von Multiplikatoren konzentriert, die dann in der Lage sind, laufende Schulungen für Mitarbeiter in der öffentlichen Gesundheitsversorgung und sozialen Einrichtungen in ihren Provinzen  sicher und unabhängig durchzuführen. Daher wurden die besten der von uns geschulten psychosozialen Berater und MDs ausgewählt, um als National Mental Health Trainer (NMHT) ausgebildet zu werden, die daraufhin wiederum Personal im Bereich der psychischen Gesundheit  für weitere Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan ausbilden. Die von uns geschulten National Mental Health Trainer haben bereits eine Ausbildung in Zusammenarbeit mit Merlin, der NGO, die BPHS  in Kundus implementiert, durchgeführt und somit 10 afghanische Männer und Frauen befähigt, als psychosoziale Berater in Gesundheitseinrichtungen in den Bezirken von Kundus zu arbeiten.
Sämtliche Ipso Projekte sind nachhaltig, da die Berater an das Gesundheitssystem übergeben werden und weiterhin in ihren jeweiligen Gesundheitseinrichtungen arbeiten.
Insgesamt haben die von Ipso ausgebildeten psychosozialen Berater in ganz Afghanistan im letzten Jahr 49 911 Personen in Einzelgesprächen behandelt. Sie führten  4335 offenen Therapiegruppen mit 51.687 Teilnehmern und gaben Aufklärungskurse mit 308 100 Teilnehmern in 15 915 Sitzungen.

Eindrücke:

Dr Fareshta Queedes (Leiterin Ipso Afghanistan) Erfahrungen mit einem der Projekte zur psychischen Gesundheit.

Der Erfolg psychosozialer Beratung in Afghanistan.