Value Based Counseling

Kultursensitive psychosoziale Beratung

Value Based Counseling (VBC) ist eine psychodynamische Kurzzeitintervention mit einem salutogenetischen Ansatz, die darauf abzielt, das Kohärenzgefühl und die Selbstwirksamkeit von Klient*innen im Verlauf eines nicht-direktiven, aber sorgfältig strukturierten Gesprächs zu verbessern.

VBC richtet sich an Jugendliche und erwachsene Klient*innen und beruht auf der Idee, dass Menschen von einem inhärenten Bedürfnis nach einem sinnerfüllten Leben geleitet werden. Was wir für sinnvoll halten, hängt von unseren persönlichen Werten ab, daher der Begriff „wertorientierte“ („value-based“) Beratung.

Persönliche Werte sind in der Regel mit familiären und gesellschaftlichen Werten verknüpft, mit denen die Klient*innen aufgewachsen sind. Unterschiedliche Kulturen haben unterschiedliche Wertesysteme, aber Generationenkonflikte deuten beispielsweise darauf hin, dass diese nicht in Stein gemeißelt sind. Häufig wahrgenommen werden unterschiedliche Werte in individualistisch und kollektivistisch geprägten Gesellschaften. Da Value Based Counseling intrakulturell erfolgt und im Rahmen des „Do no harm“-Prinzips keine über den Ethikkodex für Ipso-Counselor*innen hinausgehende Werte vorgibt, kann VBC überall und immer angewendet werden, wenn es um Menschen geht.

Value Based Counseling vermeidet eine Pathologisierung klinischer Symptome, denen intrapsychische oder interpersonelle Konflikte, traumatische Erlebnisse, ein disruptives soziales Umfeld oder schwierige Lebensübergänge wie Migration oder der Verlust von Lebensgrundlagen zugrunde liegen. Der Beratungsansatz bemüht sich stattdessen um ein Verstehen der Bedeutung dieser Symptome als Ausdruck von unbewältigtem sozialen Stress. VBC geht davon aus, dass sich einem Menschen, der sich seiner Situation, der damit verbundenen eigenen und fremden Wertehierarchie sowie der damit ausgelösten Gefühle bewusst wird, Handlungsspielräume für Veränderungen eröffnen. Das Potenzial des Menschen zur Selbstentfaltung und sein Streben, dieses Potenzial zu nutzen, bildet die Grundlage für die Förderung menschlicher Selbstheilung.

Der Erfolg von Value Based Counseling beruht stark darauf, dass die Counselor*innen eine Beziehung auf Augenhöhe mit ihren Klient*innen eingehen. Dies erfordert die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, Unvoreingenommenheit Klient*innen gegenüber sowie emphatisches Verständnis. In einem interkulturellen Setting kann es schwer sein, diese Leistung zu erbringen, weil mangelnde Erfahrung aus erster Hand durch eine große Offenheit für kulturelle Unterschiede aufgefangen werden muss, was meinst nur bedingt möglich ist. Value Based Counseling verfolgt daher einen intrakulturellen Ansatz, der es erforderlich macht, dass die Psychosozialen Counselor*innen die Muttersprache ihrer Klient*innen sprechen und den gleichen kulturellen Hintergrund haben. Dieser Ansatz vermeidet eine Reihe von Problemen, die mit interkultureller Beratung verbunden sind, wie z.B. die Notwendigkeit von speziell ausgebildeten Übersetzer*innen.

Stammen Klient*innen aus einer Kultur, die von streng definierten Geschlechterrollen und von Geschlechtersegregation in vielen Lebensbereichen geprägt ist, ist es wichtig, dass diese Klient*innen mit Counselor*innen des selben sozialen Geschlechtes sprechen. Die Lebenswirklichkeit von Männern und Frauen unterscheiden sich in solchen Fällen erheblich, und eine Kommunikation über diese Barriere hinweg würde durch die Notwendigkeit von Tabubrüchen erschwert. Value Based Counseling arbeitet daher mit einem Matching-System, in dem Klientinnen von Counselorinnen und Klienten von Counselorn beraten werden.

Diese Prinzipien sorgen dafür, dass Counselor*innen in der Lage sind, mit ihren Klient*innen schnell eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aufzubauen, die es ihnen ermöglicht, von der ersten Sitzung an tiefgehende persönliche Gespräche zu führen und innerhalb von durchschnittlich drei bis fünf Sitzungen positive Veränderungen im Leben der Klient*innen zu bewirken.